Mit trockenem Humor: Werner Reith, Schulleiter des Abendgymnasiums Darmstadt (rechts) und sein Publikum

Sehr geehrter Herr Landrat Wilkes,
Herr Bernhardt,
verehrte Anwesende,

sehr geehrte Frau Müller,
lieber Winfried!

Für mich – immerhin schon seit 1981 an den SfE in Hessen, davon die ersten 16 J. in MR – war der Müller HP schon immer da. Und gleich von Anfang an ist er Schulleiter gewesen.
Müller HP ist von mir nicht respektlos gemeint. Ganz im Gegenteil! Ich und einige Andere benutzten diese Namensbezeichnung damals – lieber Winfried, aus ordnungssystematischen Gründen, schließlich ist der Name Müller kein Alleinstellungsmerkmal.
Bei ersten Zusammenkünften auf Rahmenplantagungen Englisch in Weilburg begegnete mir als Junglehrer im Bereich der SfE der forsche und adrette Schulleiter Müller aus HP, den ich folgendermaßen charakterisieren möchte.
Er trat auf wie ein waschechter Anglist, mit großer Liebe für das Land seiner Zielsprache (oder soll ich sagen, er trat auf wie ein Engländer), der mit seinem Wissen, seinen Anekdoten und seinem großen Zitatenschatz (der natürlich authentisch in der Zielsprache Englisch über die Lippen ging) zu brillieren wusste.
Neben seiner Vorliebe für England, wo er in den Sommerferien sogar noch für Sprachschulen tätig war, gehörte seine Leidenschaft dem Sport, so auch dem Laufen. So kam er in Weilburg wie auch bei anderen Gelegenheiten schon von einem „long distance run“ frisch und fit zum Frühstückstisch. Dort übernahm er dann auch sofort die Konversationsführung, während die Anderen noch etwas unausgeschlafen und mürrisch an ihren Körnerbrötchen kauten. Auch seine hohe Schule der Konversation ist geprägt von englischem Witz und Charme. Ich glaube, das lernt man nicht im Sauerland, es sei denn, man ist ein Naturtalent, und das muss man bei Dir, lieber Winfried, natürlich vermuten.
Zu Hochtouren lief Müller HP dann im abendlichen Fortbildungsrahmenprogramm auf. Ich erinnere einige lustige Abende in Weilburger Weinstuben. Müller HP – werter Herr Landrat Wilke – ist dort immer als Advokat des guten Bergsträßer Weins aufgetreten. Deswegen kenne und schätze ich heute auch einige Bergsträßer Lagen.
Zu seinen auffallenden Eigenschaften gehört auch – damals wie heute -, dass er rank und schlank daher kommt. Da ist in den 35 Jahren Schulleiter-Dasein kein Bäuchlein gewachsen.
Ab Mitte der 90er Jahre sind wir uns dann auf der Landesringebene begegnet. Hier ging es um neue Verordnungen für die SfE, die Gründungen von AHRS, 4+1, 4+I und 5x4-Modell und um „von oben“ verordnete Reformen, die uns manchmal auch um den Bestand der SfE fürchten ließen.
In solchen Fällen sind wir dann natürlich nach WI ins Kultusministerium gefahren, um uns für den Erhalt der SfE einzusetzen. Wir, d.h. ihr, die Landesfachgruppe EB im HPhV, also Du und Gangolf Reccius, Ihr wart ja die beiden einzigen in der Landesfachgruppe, seid dann zur CDU-Kultusministerin bzw. zum Minister gefahren, und wir, d.h. jetzt wir von der GEW-Landesfachgruppe EB, sind dann zum SPD-Kultusminister gefahren. Trotz der großen weltanschaulichen Differenzen unserer beiden Verbände sind wir auf ZBW-Ebene immer eine kleine, aber sehr durchsetzungsfähige „Große Koalition“ gewesen.
Mit meiner Wahl zum Landesringsprecher der hessischen Abendschulen in 2002 sind wir uns auch häufiger auf der Ebene des Rings der Abendgymnasien in Deutschland begegnet. Zweijährlich auf den Bundesringtagungen in Potsdam, Dresden, Göttingen u.a. Städten Deutschlands und jedes zweite Jahr dazwischen im Kardinal-Hengsbach-Haus in Essen zum Treffen der Vertreter der Länder.
Wieviele Jahre bist Du eigentlich hessischer Vertreter im Bundesring gewesen? Ich konnte das in den arbeitsreichen letzten Tagen nicht mehr recherchieren. Auf jeden Fall ist unsere im November gewählte neue Vorsitzende des Bundesrings von Deinem Wirken auf Bundesebene sehr angetan und hat mich als ihren Stellvertreter beauftragt, ihren Brief heute hier zu verlesen, was ich jetzt gerne tue.



Lieber Winfried,

liebe Gäste,

in diesen winterlichen Tagen beendet die „Sonne“ des Bundesvorstands des Ringes der Abendgymnasien die „Aktivphase“ der Altersteilzeit – lieber Winfried, Du wirst uns fehlen…

Deine berufliche Aktivphase ist geprägt durch das Abendgymnasium.

Als Leiter des Abendgymnasiums hier in Heppenheim und als langjähriges Mitglied im Vorstand des Bundesringes der Abendgymnasien Deutschlands e.V. gehörst Du zu den „Granden“ dieses besonderen Bildungsbereiches – die Abendgymnasien sind eine Welt für sich und sie öffnen eine neue Welt für alle motivierten jungen Erwachsenen.

Du, lieber Winfried, kennst diese Welt in allen ihren Facetten und vor allem in ihrem Wert.

Du wusstest immer um den nicht zu ersetzenden Platz des Abendgymnasiums in der Gesellschaft – schon bevor von Seiten der Politik die Bildungsrepublik Deutschland ausgerufen wurde.

Du wusstest immer um die Spezifik der Abendgymnasien und hast diese in allen bildungspolitischen Diskussionen und Entscheidungen überzeugend und wortgewandt vertreten. Dabei war Dein Blick auch immer einer, der über das schöne Heppenheim und das Land Hessen hinausging.

Als einen „Weltbürger der Abendgymnasien“ lernten wir Dich im Bundesvorstand kennen und schätzen. Mit Deinem Engagement, mit Deiner Erfahrung, mit Deiner Offenheit und Deinem Verständnis für das Gemeinsame und Unterschiedliche der Abendgymnasien in den einzelnen Bundesländern, hast Du die Arbeit des Bundesvorstands maßgeblich geprägt.

Mit Deinem Kommunikationstalent und mit Deinem Humor – der bekanntlich wichtigsten Eigenschaft der „Weisen“ – hast Du sowohl den Bundesvorstand als auch den Bundesring auf unnachahmliche Weise bereichert.

Für all das möchten wir Dir von ganzem Herzen danken.

Für Dich, lieber Winfried, kann es nicht wirklich ein Ende einer „Aktivphase“ geben; Dein Interesse gilt so vielem.

Für die kommende Lebenszeit wünschen wir Dir Gesundheit, Geist und Genuss und uns ein Wiedersehen mit Dir.



Im Namen des Vorstandes und des Bundesringes

der Abendgymnasien Deutschlands

verbleibt herzlich



Dr. Angela Hoffmann

(Vorsitzende, AG / Kleist-Schule Potsdam)



Nachdem Du von Angela jetzt in den Adelsstand erhoben worden bist – ein „Grande“ der Welt der Abendgymnasien – verbleiben mir nur noch wenige Worte zu sagen.
Mit 35 Jahren Schulleitertätigkeit an AG und AS HP hast Du für viele Jahrzehnte nun ein unschlagbares Alleinstellungsmerkmal.
In unseren vielen gemeinsamen Jahren haben wir es leider nicht ein einziges Mal geschafft, unsere Schläger auf dem Tennisplatz zu schwingen. Beide spielen wir aktiv in Medenrunden, aber unsere Spielklassen haben uns nicht zusammengeführt. Spielst Du eigentlich noch bei den Herren 50, oder doch schon 60? Egal! Vielleicht kriegen wir das ja demnächst mal privat in DA oder HP hin.
Als Abschiedsgeschenk für Dich will ich jetzt nicht Eulen nach Athen bzw. Kohlen nach Newcastle tragen und Dir Weißwein mit an die Bergstraße bringen. Aber einen guten Roten aus dem Piemont habe ich Dir mitgebracht.
Genieße ihn sowie auch die Zeit, die für Dich jetzt ungeahnte Möglichkeiten bereithalten wird. Ich wünsche Dir und Deinen Lieben alles Gute.

Werner Reith, Sprecher des Landesrings der hessischen Abendschulen