Es war ein heiterer Abschied, wie die Bilder verraten. Nicht nur wurden viele lobesvolle Worte gesprochen, die der Gelobte schließlich selbst zu einer amüsanten Karikatur verformte; auch bei dem Abschiedsmahl im Filou war die Stimmung unter den vollzählig angetretenen Kolleginnen und Kollegen blendend.
Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir Klemens Schmitt vermissen werden; selbstverständlich seine erstklassigen Stundenpläne, die kaum persönliche Extrawürstchen ungebraten ließen, aber auch seine äußerst nüchterne Logik, die in Konferenzen Dinge blitzschnell auf den Punkt brachte und ein Ausufern verhinderte, sowie sein trockener Sinn für Humor, der auch in seiner mit Ironie gespickten Rede (s.u.) immer wieder zum Vorschein kam.

Wir wünschen Klemens Schmitt viel Freude in seinem verdienten Ruhestand.

Danke, Klemens!


Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.


Abschiedsrede von Klemens Schmitt


Liebe Weggefährten, liebe Kolleginnen und Kollegen,

es wurde jetzt genug gelogen. Es ist an der Zeit, der Wahrheit ein wenig die Ehre zu geben. Zu den Wahrheiten, die nicht verschwiegen werden dürfen, gehört zuvorderst mal die: Höchste Zeit ist es, dass der unbelehrbare und auch noch bekennende Antipädagoge Schmitt aus dem dienstlichen Verkehr gezogen wird. Dass so einer so lange als Lehrer tätig sein konnte, ist eine unerfreuliche Folge des Beamtenrechts, dass er mit Schulleitungsaufgaben beauftragt wurde, schlechterdings unbegreiflich.

Sollte der eine oder andere jetzt (situationsbedingt) freundlicherweise denken, ganz so extrem braucht man es nicht auszudrücken, so werden sich solche wohlmeinenden Gedanken rasch verflüchtigen, wenn ich einen der wichtigsten Lehrsätze nenne, dessen Gültigkeit sich mir im Laufe meines Berufslebens immer stärker als bestätigt zeigte. Dieser Lehrsatz lautet: Der mit Abstand effektivste Unterricht ist der Frontalunterricht. In besonderem Maße ist er als die dominierende Unterrichtsform geboten an den Schulen für Erwachsene, an denen ja wegen des engen Zeitrahmens die Inhalte und Methoden in besonders kompakter Form vermittelt werden müssen. Andere Unterrichtsformen sind zwar legitim, aber vernünftig begründen lassen sie sich nur damit, dass dem Lehrer bei seiner kräftezehrenden Tätigkeit mitunter eine Verschnaufpause nottut. In die Tasche löge man sich aber, machte man sich vor, z. B. das Gruppengespräch, das gerne irreführend als Gruppenarbeit bezeichnet wird, würde etwas zum Lernfortschritt bei den uns anvertrauten Studierenden beitragen.

Ich will jetzt keine weiteren Thesen dieser Art vortragen, denn es wäre ungebührlich, die heutige Sondersituation, die es mir gestattet, solcherlei ungestraft zu äußern, zu sehr auszunutzen. Ich sehe also davon ab, meine bekannten Ansichten nochmals kundzutun z.B. zu Veranstaltungen wie „pädagogische Tage“ von der Sorte, bei der von erwachsenen Menschen bunte Zettel an Pinwände geheftet werden; ich will mich auch nicht äußern zu Bedeutung und Nutzen von Bildungsstandards, von Schulprogrammen, von „Feed-back-Kulturen“ und dergleichen mehr.

Viel wichtiger, als meine im Berufsleben gewonnenen Erkenntnisse vorzutragen ist mir heute folgende Feststellung: Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihr tut mir leid! Jedem von Euch hätte ich es gegönnt, heute mit mir in den Ruhestand treten zu können. Keiner von Euch hat es verdient, unter den heute obwaltenden Umständen als Lehrer tätig sein zu müssen, keiner von Euch hat die miserablen Bedingungen verdient, unter denen heute der Dienst an einer Abendschule zu leisten verlangt wird. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihr seid arme Schweine!

Denn auch der wohlwollendste Beobachter muss konstatieren, dass zahlreiche Neuregelungen der letzten Jahre die Arbeit an den Schulen unnötig erschweren und abträgliche Hektik in den Schulbetrieb bringen, also das schlimmste Gift für guten Unterricht, nämlich Unruhe produzieren. Es ist jetzt nicht die Stunde dafür, die Vielzahl der Verschlechterungen der letzten Jahre im Einzelnen aufzuführen. Jedenfalls ist es aber so, dass unter den gegebenen Umständen die Abendschulen ihren Zweck kaum noch erfüllen können. Dieser Zweck besteht ja vornehmlich darin, berufstätigen Erwachsenen, auch voll Berufstätigen, also Menschen, die beruflich oft nicht weniger gefordert sind als jeder von uns, einen höheren Schulabschluss zu ermöglichen. Das gilt selbstverständlich fürs Abendgymnasium, an dem die Berufstätigkeit verlangt wird, es gilt aber prinzipiell auch für die Abendrealschule. Am Abendgymnasium wird die Berufstätigkeit mit der neuen Oberstufen- und Abiturverordnung nur noch dadurch berücksichtigt, dass den Studierenden im Vergleich zur gymnasialen Oberstufe die Kurse in Sport, in Kunst bzw. Musik und in Religion, also drei zweistündige Kurse, erlassen werden. Von einem eigenständigen Weg zur Hochschulreife, wie ihn das Schulgesetz ja eigentlich verlangt, kann da natürlich keine Rede sein kann.

Dass die Abendschule ihren Zweck noch einigermaßen erfüllen kann, liegt ausschließlich an Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ihr bestätigt das, was Otto von Bismarck bereits erkannte, der nämlich feststellte: „Mit schlechten Gesetzen und guten Beamten lässt sich immer noch regieren. Bei schlechten Beamten aber helfen uns die besten Gesetze nichts.“ Für unseren Spezialbereich gilt das durchaus entsprechend: Bei schlechten schulrechtlichen Rahmenbedingungen ist ein ordentlicher Schulbetrieb noch möglich, wenn gute Lehrer da sind.

An der Abendschule Heppenheim sind sie da! Sowohl fachlich wie auch menschlich könnte dieses Kollegium kaum besser zusammengesetzt sein. Ich habe hier nur starke Persönlichkeiten kennen gelernt, viele haben mich tief beeindruckt, Ältere, mit denen ich fast den gesamten Weg des Berufslebens an dieser Schule gegangen bin, aber auch viele, die später und auch solche, die erst in jüngerer Zeit dazu gestoßen sind. Ich sage euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, großen Dank für vielfältige Hilfe, die ihr mir gegeben habt, für das immer problemlose Miteinander, für mir entgegengebrachtes Wohlwollen, für die Nachsicht, die ich bei meinen Fehlleistungen erfahren habe, für die Herzlichkeit, die ich oft spüren konnte.

Die Kooperation in der jetzigen Schulleitung, seit einigen Jahren mit Andreas Schwarz, in den letzten 1½ Jahren auch mit Winfried Hammacher, verlief ebenfalls völlig reibungslos; sie war geprägt von gegenseitiger menschlicher Wertschätzung. Wie abstrus auch immer meine Beiträge in unseren Besprechungen waren, die beiden sind immer mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit auf meine Auslassungen eingegangen. Ich danke dir, Winfried, und ebenso dir, Andreas, für die wirklich sehr angenehme Zusammenarbeit und auch für die Schonung, was die Aufgabenzuteilung angeht, besonders im letzten Halbjahr, ich habe das durchaus registriert.

Mit Abstand am längsten freilich währte die gemeinsame Arbeit mit dem vormaligen Leiter Winfried Müller. Dass ich nach meiner Versetzung ans Starkenburg-Gymnasium 1977 durch die damit verbundene Abordnung ans Abendgymnasium auch in Winfried Müllers Verantwortungsbereich tätig wurde, war für mich ein Riesenglücksfall und war ganz entscheidend für mein Berufsleben. Winfrieds mächtiger Förderung verdanke ich es, bei Aufgaben in der Schulleitung mit eingebunden und später auch offiziell mit einer Funktionsstelle betraut worden zu sein. Dass sich da sehr schnell eine ganz besonders enge und freundschaftliche Kooperation entwickelt hat, bedarf hier eigentlich keiner Erwähnung, das hat jeder, der vor 1½ Jahren schon hier war, deutlich gemerkt, das wurde sogar landesweit als ganz außergewöhnlich wahrgenommen. Wenn ich sagen kann, dass mich trotz der Widrigkeiten, was Rahmenbedingungen angeht, die Berufstätigkeit im Großen und Ganzen mit Befriedigung erfüllt hat, so habe ich das in allererster Linie Winfried Müller zu verdanken. Dir, lieber Winfried, also vielen herzlichen Dank!

Fast genau so lange wie mit Winfried Müller durfte ich mit Frau Erika Hartmann zusammenarbeiten, auch mit ihr war die Arbeit überaus angenehm. Und das Gleiche gilt auch für ihre Nachfolgerin, Frau Köstler. Die Freundlichkeit und die Kompetenz der beiden Damen war ganz entscheidend dafür, dass in unserem Büro eine gute Atmosphäre geherrscht hat herrscht. Auch Ihnen, Frau Hartmann, und Ihnen, Frau Köstler, ein herzliches Dankeschön!

Für die vielen Unwahrheiten, die wir gehört haben, für die Beschönigungen, für die freundlichen Worte, die mir gut tun, die mich auch sehr bewegen, danke ich denen, die das Wort ergriffen haben, ich danke euch allen für die Glückwünsche zum neuen Lebensabschnitt und natürlich auch für das offensichtlich überdimensionierte Geschenkesortiment.

Ich wünsche euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, verbesserte Bedingungen, oder mit den Worten des bayerischen Philosophen Karl Valentin: „Hoffentlich kommt’s need so schlimm, wie’s jetzt scho is.“ Ich wünsche euch hin und wieder Freude bei eurer wichtigen und nach wie vor sehr lohnenswerten Arbeit. Und jetzt, denke ich, sollten wir zum wichtigeren Teil der heutigen Veranstaltung übergehen und die entsprechende Ortsveränderung vornehmen. So, liebe Leute, das war’s. Hurra!